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USB Sticks und Speicherkarten testen

~5 Min. Lesezeit

Ich habe mir 20x Kingston 256GB USB Sticks Class 4 aus China erworben zu einem Spottpreis.
Offiziell kostet dieser Stick 665 CHF und ich konnte diese für 15 CHF / Stück ergattern. Ein Schnäppchen.
Selbstverständlich war mir da bewusst, das ein Betrug stattfinden würde, was dann auch zum Glück eingetreten ist. 😉

Selbstverständlich ist die Freude gross, wenn man den Stick zum ersten mal einsteckt und und die Anzeige 256 GB Speicherplatz angezeigt wird.

Anwender benutzt den Stick

Man testet den Stick in dem man mal 20GB Daten rüberkopiert und alles ist in Ordnung. Also fängt man den Stick an zu benutzen. 2 Wochen später hat man bereits den ersten Datenverlust und wird fluchen. Dann denkt man noch an die Selbstverschuldung, man hätte den Stick nicht sauber ausgeworfen zuvor oder zu früh abgezogen, formatiert ihn und benutzt ihn weiter.

Leider bleibt dies nicht dabei.

Verkäufer Interesse

Viele Verkäufer schummeln bei Speicherkarten und USB Sticks. Dies ist relativ einfach. Man kopiert eine Hülle von einem 256 GB Stick und baut ein 32 GB Stick ein. Anschliessend reprogrammiert man das interne USB Stick Bios (im übertragenenen Sinne) neu, damit dies angiebt 256 GB Speicherplatz zu haben. Dies ist sehr einfach und innert Sekunden gemacht.

Ist dies erledigt, zeigt mein Eigenbau Stick mit 32GB Grösse auch 32TB an wenn man möchte. Das Problem dabei ist, sobald mehr Daten als möglich auf dem Stick gespeichert werden, kommt es zu Datenverlust auf dem Stick und Alles ist weg.

Je grösser die wirkliche Grösse vom Stick, desto mehr Daten müssen gespeichert werden, bevor der Betrug auffällt. Daher nimmt man auch keine 1GB Sticks, da jeder dies innerhalb eines Tages gefüllt hat. Je höher aber die wirkliche Speicherkapazität, desto mehr kostet der Stick. Paradoxon.

Daher nimmt man ein 2ten fatalen Ansatz und verwendet interne Komprimierungchips und Datendrops. Dies muss man sich so vorstellen, ich habe eine Datei mit dem Inhalt „1234567890“. wenn diese gespeichert wird, werden wahllos Daten weggelassen. Was in ein „123457890“ resultiert (6 ist weg).
Öffnet ein Benutzer diese Datei, wird das Betriebsystem den Fehler erkennen und automatisch reparieren OHNE den Benutzer zu informieren. Dies geht in sehr vielen Fällen gut, nur selten sehr Fatal aus, aber schon wieder ist Datenvolumen gespart.

Man möchte mit möglichst wenig richtiger Datenkapazität so viel wie möglich Kapazität erreichen, das der User den Betrug zu spät bemerkt und ausserhalb der Reklamationszeit ist.

Usb Sticks und Speicherkarten testen

Daher ist die Empfehlung, jeden Stick und Karte zu testen. Bei einem 256 GB Stick mit 4MB/s (Class 4) dauert dies doch satte 17 Stunden (nur schreiben) und nochmals solange zum lesen. Jeder User würde sich da aufhängen, doch macht dies unbedingt. Soviel Zeit braucht ihr nicht 😉

Um dies zu testen hat c’t das kleine Programm h2testw entwickelt.
Stick einstecken, auswählen und mal 50MB schreiben und testen lassen..

Sicher ist es in Ordnung bei 3-4 GB ein paar defekte Sektoren zu finden, aber nicht 100 Sektoren bei den ersten 50MB.

Naja, lassen wir den Stick dennoch über einen kompletten Check laufen, oder gleich 2 um Zeit zu sparen:

Wie man sieht, haben beide Sticks bei rund 130GB schlapp gemacht (schreiben), was aber noch keinen Aufschluss auf die wirkliche Grösse gibt. Dazu später…

Betrug während dem Schreiben erkennen
Wer nicht soviele Stunden warten möchte, es gibt ein Indiz das die Sticks defekt sind. Meine Sticks waren Class 4, was 4MB/s entspricht. Da das Testprogramm alles 1GB Dateien schreibt, kann man von gleichbleibender Geschwindigkeit nach rund 1 Minute ausgehen (bei mir 4MB/s). Diese Geschwindigkeit steigt mit anhaltendem Beschreiben des Sticks an im Testprogramm (bei Fälschungen), weil die Daten nicht wirklich geschrieben werden. Wird 50% der Daten nur noch geschrieben und der Rest verworfen, hat der Stick bereits 8MB/s erreicht. Nach bereits wenigen GB hat der Stick eine Geschwindigkeit von 40MB/s erreicht…
Wenn man solche Zahlen sieht, kann man den Test bereits abbrechen und die Leseoperation starten. Das Resultat ist aber auch bereits im Vornherein klar.

Also mal ohne Testprogramm testen, sondern den Stick per Windows füllen, formatiert und angefangen zu kopieren, bis es mit einem Fehler bei wieder rund 130 GB abbrach.

125 GB mit Sicherheitsabzug für 15 CHF ist ein richtig fetter Deal!

Weiteres Problem

Klar könnte man mit dem Programm um diese zu programmieren selber den Stick auf diese Grösse runtersetzen und der Gefahr entgehen zuviele Daten abzulegen. Doch dies ist ein Trugschluss, denn man vergisst den Datenverlust.

Der Datenverlust nimmt exponentiell zu zu der verwendeten Datenmenge. So hat man bei dem ersten GB vielleicht nur 2000 defekte Sektoren, bei dem 2ten GB aber schon 6000.

Da ich bereits vor dem Kopieren mit Windows wusste, das der Stick bei 130 GB abliegt, habe ich nur 120 GB Filme darauf kopiert. Die Filme die ich zuerst kopiert habe, bis etwa zu 50 GB konnte der Player abspielen. Bildfehler traten erst ab etwa 50GB bis 80GB auf, nach der 80GB Grenze konnte kein Video mehr abgespielt werden. Sobald ich die 130 GB Grenze erreichte, war der komplette Stick futsch und nur noch Datensalat war enthalten.

Wirkliche Grösse

Die wirkliche Grösse herauszufinden ist also nicht so einfach. Sagen wir es so, durch all die Techniken dahinter, schafft man es bis 130GB dem Käufer kurzzeitig zu täuschen, trotz er beim 1MB bereits Datenverlust hat.

Es gibt 2 Methoden die wirkliche Grösse zu erfahren, entweder man nimmt ein Hammer und öffnet den Stick und bestimmt über die Nummer des Speicherchip die Grösse, oder man Lässt anschliessend x Stunden das Testprogramm die geschriebenen Dateien lesen und bekommt dann die wirkliche Grösse angezeigt.

Mein Fall war klar, ich hatte ein 256 GB Stick gekauft und 16 GB Sticks bekommen. Die Techniken dahinter, das man dennoch 130GB Daten irgendwie auf den Stick bekommt sind genial. Absolut genial sogar.

Betrachtet man nun die 15 CHF, so bekomme ich zum gleichen Preis hier in der Schweiz einen Stick mit 16 GB Speicherplatz und ich habe gar kein Schnäppchen gemacht, sondern sogar viel zu viel bezahlt Denn dank der veränderten Hardware (Datenverlust) kann man nicht mal diese 16 GB mit Daten befüllen, sozusagen der Stick ist wertlos.

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Ein männlicher IT Nerd, durchstöbert das Web nach speziellen Gadgets, unentbehrlicher Software und Alles was man im IT Sektor nicht verpassen darf.Immer hilfsbereit wenn Probleme zu lösen sind oder das Unmögliche umgesetzt werden sollte.

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7 Kommentare

  1. avatar

    Wie ein chinesisches Sprichwort sagt: „Es ist halt nicht immer drin was drauf steht, Made in China.“

  2. avatar

    Bruno ist ein Traum geplatzt 😉

  3. avatar

    Ja hat er mir bereits erzählt gehabt 😉

  4. avatar

    Genial, gut zu Wissen. Danke

  5. avatar
    lupus germanicus

    Erst einmal Vielen Dank für diesen excellenten Beitrag.

    Klasse Info und wunderbar ausführlich erklärt.

  6. avatar

    Jetzt ist mir klar, warum ich immer Daten verliere bei meinen Sicks aus Asien . Danke für die Info !

  7. avatar

    Hi, vielen dank für diesen Klasse Bericht. Leider ist mir das gleiche bei Sandisk Mirco SD Karten passiert. Die Karte mit 64 GB kostet hier im Handel knapp 40€ ich konnte sie für einen Preis von 5€ pro Stück erwerben. Aufdruck und Verpackung “ sind bis auf einen überklebten Aufdruck 32GB fehlerfrei. Leider haben die Karten laut test nur eine Kapazität von 7.8 GB … Schade ums Geld aber man lernt ja aus Fehlern…

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